Einkaufen, oder wie mache ich aus lästiger Pflicht ein Vergnügen
Fragte mich doch neulich meine Frau beim Einkaufen am Zeitungsstand: “Schatz, hast Du 1,70 in der Hose?”
Dieses musste ich Ihr natürlich negativ bescheiden mit den Worten: “Nein, mein Hase - ganz so lang ist er denn doch nicht!” Von dem Zeitpunkt an hat sogar das Einkaufen Spaß gemacht, ist es doch, wenn man in die Gesichter der anderen Einkaufenden schaut, eher eine lästige Pflicht. Allerdings waren die Gesichter der umstehenden Miteinkäufer nun doch etwas aufgelockerter. Frage: Warum laufen wir die meiste Zeit mit missmutigem Gesicht durch die Welt? Das Leben ist kurz und viel zu schade, um es schlecht gelaunt zu verbringen.
Gerade jetzt, wo die “trüben, traurigen Tage” nicht nur vor der Tür stehen, sondern schon vehement Einlass fordern, sollte man doch, trotz aller Gedenken, die gute Laune nicht zu kurz kommen lassen. Und weil’s so schön war, noch einer aus dem Einkaufsladen: Die Schlachtereiverkäuferin an der Wursttheke zu einem kleinen, schüchternen ca. vier Jahre alten Mädchen: “Na, Zuckerpüppchen, möchtest Du eine Scheibe Wurst?” Ich stand genau daneben und sagte natürlich, bevor das Mädel antwortete laut und deutlich “Jaha!”. Alle Umstehenden hatten ihren Spaß – und ich eine Scheibe Wurst. Das Mädchen allerdings war dann bockig; wollte auch keine Wurst mehr. Ich hatte ja die ihr zugedachte Scheibe schon genüsslich verzehrt. „Ja,“ sagte ich, „wenn Du mal groß bist, dann musst Du immer ja sagen, wenn einer Zuckerpüppchen zu Dir sagt und Dir etwas offeriert. Ich mache das auch immer so. Hat ja prima geklappt!“ Dass ich vorheriges Mal, als jemand Zuckerpüppchen zu mir gesagt hatte - gepaart mit einem eindeutigen Angebot - „Nein“ gesagt hatte, verschwieg ich dann lieber. Muss ja nicht gleich jeder wissen, dass ich – irrtümlich – in einer Schwulenkneipe gelandet war.
Überhaupt ist die Schlachtertheke mein Lieblingsplatz in jedem Supermarkt. Sachen erlebt man da, das glaubt gar keiner. Fand ich doch neulich heraus, dass „Blaue Zipfel“ eine Nürnberger Wurstspezialität sind. Ich meine, wie würden Sie denn reagieren, wenn Ihnen jemand einen blauen Zipfel anbieten (androhen?) würde? Die Schlachtereiverkäuferin redet inzwischen wieder mit mir. Nicht mehr so freundlich wie zuvor, aber immerhin. Nur eine Scheibe Wurst bekam ich nicht wieder (dafür hat der Zipfel noch seine ursprüngliche Farbe). Ich spezialisiere mich jetzt auf die Käsetheke (ich sage nur: Harzer Roller; dabei komme ich gar nicht aus dem Harz).